[4040592004082] Regisseur: Greta Schiller, Jeffrey Friedman, Rob Epstein
Die schwule Bürgerrechtsbewegung in Westeuropa und den USA ist auf den ersten Blick eine Erfolgsgeschichte. Doch Diskriminierung passiert immer noch und immer wieder und der Kampf gegen Vorurteile und rechtliche Benachteiligung ist nirgendwo abgeschlossen.
Die Dokumentarfilme, die in der GAY HISTORY BOX versammelt sind, sind berühmte und unentbehrliche Beispiele für den Kampf um Anerkennung und selbstbewusste Darstellungen einer selbst entworfenen schwulen Identität.
Dokumentarfilme zur schwulen Geschichte sind deshalb so wichtig, weil die Medien seit jeher voll sind von falschen, unfairen und nicht-autorisierten Darstellungen und Klischeebildern des schwulen Lebens. Gegen diese Fremd-Perspektive haben Filme wie diese die eigene Stimme der Schwulen und Lesben zu Wort kommen lassen, ihre Geschichten, Erinnerungen, ihre Perspektive ins Spiel gebracht. Wenn man – wie es oft geschehen ist – in den Geschichtsbüchern nicht vorkommt, dann muss man eben selbst die eigene Geschichte erzählen.
Verzaubert (D 1992, 89 Min., dt. OF)
Before Stonewall (USA 1984, 87 Min., FSK 16, OmU)
Common Threads - Stories from the Quilt (USA 1989, 79 Min., FSK 12, dt. SF)
Paragraph 175 (USA 1999, 80 Min., FSK 16, OmU)
The Times of Harvey Milk (USA 1984, 90 Min., FSK 12, OmU)
Verzaubert (D 1992, 89 Min., FSK 0, dt. OF)
Der erste Film über Schwule und Lesben im Deutschland der NS-Zeit und der frühen Bundesrepublik.
VERZAUBERT dokumentiert Lebensläufe von Homosexuellen aus einer Zeit, als sie sich noch nicht selbstbewusst »lesbisch« oder »schwul« nannten, sondern »verzaubert«.
13 Männer und Frauen im Alter zwischen 60 und 80 Jahren geben Auskunft darüber, wie sie Nationalsozialismus, Krieg und Nachkriegszeit in Hamburg erlebten. Sie erzählen von ersten heimlichen Romanzen, Vorladungen durch Sittenpolizei und Gestapo, Tarnehen, rosa Winkel, über Verfolgung und Vernichtung, über Subkultur und über ihren Alltag.
Zum Beispiel Edith, die gemeinsam mit ihrer Freundin 38 Jahre lang ein Kaffee- und Konfitürengeschäft geführt hat. Oder Rudolf, der seine glücklichste Zeit erlebte, als er beim Fronttheater im Zweiten Weltkrieg Frauenrollen spielen durfte. In den Interviews wird nicht versucht, ein bisher »vergessenes« Kapitel der Geschichtsschreibung nachzuliefern, sondern Schwule und Lesben mit ihren sehr unterschiedlichen Lebenserfahrungen und -geschichten selbst zu Wort kommen zu lassen.
Before Stonewall
Mit ihrem vielfach preisgekrönten "Before Stonewall" zeichnen Greta Schiller
und Robbie Rosenberg die Geschichte des Sichtbarwerdens von Schwulen und
Lesben in der amerikanischen Gesellschaft auf - ein lebendiges Dokument einer
verborgenen Geschichte, voller Witz und Ironie und manchmal auch Traurigkeit.
"Before Stonewall" setzt mit Hilfe von Dokumenten, Filmausschnitten und
Fotos, vor allem aber aus Aussagen von "ordinary gay people" Anekdoten,
Geschichten und Ereignisse in einer Weise zusammen, als hätte man keinen Film
gesehen, sondern das alles selbst erlebt.
Common Threads - Stories from the Quilt
Robert Epstein (THE TIMES OF HARVEY MILK) und Jeffrey Friedman dokumentierten Ende der 1980er Jahre den Beginn des Aids Memorial Quilts. In diesem gemeinschaftlichen, bis heute andauernden künstlerischen Projekt werden Erinnerungsstücke von Aids-Toten zusammengewebt und damit dem Vergessen und der Ignoranz entrissen. Dieser Film fasst die Erfahrungen der ersten Dekade des Umgangs mit Aids zusammen, die Trauer über die Verluste, die Wut über die Untätigkeit der Reagan-Regierung und den Kampfgeist der Aids-Bewegung. Und zu einer Zeit, in der die schwulen Opfer der Epidemie in den Medien unsichtbar blieben, bot COMMON THREADS das ganze Instrumentarium eines großen Hollywood-Films auf, engagierte Dustin Hoffman als Erzähler und Bobby McFerrin als Soundtrackkomponist, um das Thema so selbstbewusst wie möglich zu erzählen. 1989 erhielten die Filmemacher dafür den Oscar für den besten Dokumentarfilm. Jetzt ist der Film zum ersten Mal in Deutschland auf DVD erhältlich. Ein unentbehrliches Dokument schwuler Geschichte.
Paragraph 175
Rob Epstein, Jeffrey Friedman, PARAGRAPH 175
Etwa 100.000 Homosexuelle sind während der NS-Herrschaft in Deutschland inhaftiert und gefoltert worden. Zu Tausenden wurden Schwule und Lesben in deutschen Konzentrationslagern ermordet. Die Autoren und Regisseure, die bereits mit preisgekrönten Dokumentarfilmen wie THE CELLULOID CLOSET Furore machten, zeichnen mit ihrem Film PARAGRAPH 175 das Schicksal der Homosexuellen im Dritten Reich nach. Sprache: engl./franz./dt. OF / Untertitel: deutsch, viele Extras.
The Times of Harvey Milk (USA 1984, 90 Min., FSK 12, OmU)
San Francisco in den 70er-Jahren: In der ersten, von Schwulen bestimmend geprägten Nachbarschaft des Distrikts um die Castro Street bildet sich ein Selbstbewusstsein der früher »unsichtbaren« Minderheit. Es scheint nur eine Frage der Zeit, bis sich dies auch politisch manifestieren wird. Im Ghetto spricht man von Emanzipation. Leute, die sich früher wegen ihres »Andersseins« versteckten, finden den Mut, öffentlich aufzutreten. Unter ihnen wird Harvey Milk zur charismatischen Persönlichkeit... bis er, im November 1978, von einem Repräsentanten der keineswegs schweigenden Mehrheit kaltblütig ermordet wird.
THE TIMES OF HARVEY MILK rekonstruiert ein Leben, das beispielhaft für Mut und Engagement steht, für die frühe Lesben- und Schwulenbewegung, für Menschen in öffentlichen Ämtern, die zu ihrer Homosexualität stehen. Wir hören Harvey Milks Stimme von einem Tonband: eine Botschaft, die nach seinem Willen nur dann abgespielt werden sollte, wenn er durch einen Anschlag ums Leben gekommen sei.
Wir sehen ein faszinierendes Dokument eines Kampfes um Anerkennung. Die ganze, die wahre Geschichte über Harvey Milk, dessen letzte Jahre Gus van Sant in seinem Spielfilm MILK dramatisierte. Sprache: OF, dt. UT 425 Min.
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